Wer auf Nord- und Ostsee in Seenot gerät, erreicht die Retter in den meisten Fällen über Funk. Die Rettungsleitstelle See in Bremen hört rund um die Uhr auf den Notkanälen mit und schickt den nächsten Seenotkreuzer los. Genau deshalb verlangt der Gesetzgeber für jedes UKW-Seefunkgerät an Bord ein Funkzeugnis.

Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Zahlen zur Seenotrettung in Deutschland zusammengetragen: Einsätze und Gerettete der Seenotretter, den Anteil der Sportboote, die häufigsten Pannen, die Rolle der Rettungsleitstelle und die Unfallzahlen der Behörden. Jede Zahl ist mit einer Quelle belegt. Wo es keine öffentlichen Zahlen gibt, sagen wir das offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Seenotretter der DGzRS fuhren 2025 insgesamt 1.723 Einsätze und halfen 3.389 Menschen.
  • 462 Menschen wurden 2025 aus Seenot gerettet (135) oder aus Gefahr befreit (327).
  • 876 Einsätze, also rund jeder zweite, galten Wassersportlern, die meisten davon Segelbooten.
  • Die häufigste Ursache sind Motorprobleme (309 Einsätze), vor Grundberührungen (223).
  • Zu Notrufen über Funk, DSC-Alarmen und Fehlalarmen veröffentlicht niemand eine Jahreszahl für Deutschland.

Die Bilanz der Seenotretter

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist für den Such- und Rettungsdienst auf Nord- und Ostsee zuständig. Ihre Jahresbilanz ist die wichtigste Zahlenquelle zur Seenotrettung in Deutschland.

11.723 Einsätze im Jahr 2025

Die Seenotretter fuhren 2025 insgesamt 1.723 Einsätze. 2024 waren es 1.775.1

23.389 Menschen geholfen

Bei diesen Einsätzen halfen die Retter 2025 insgesamt 3.389 Menschen. Im Jahr davor waren es 2.967.1

3135 aus Seenot gerettet, 327 aus Gefahr befreit

Von den 3.389 Menschen waren 462 in akuter Not: 135 wurden aus Seenot gerettet, 327 aus Gefahr befreit. 2024 lag die Zahl bei 482 (79 gerettet, 403 befreit).123

4237 Kranke und Verletzte zum Festland gebracht

Dazu kamen 2025 insgesamt 237 Krankentransporte von Inseln, Halligen und Schiffen. 2024 waren es 243. Außerdem bewahrten die Retter 34 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust, im Vorjahr 26.1

587.770 Gerettete seit 1865

Seit der Gründung 1865 haben die Seenotretter nach eigener Zählung 87.770 Menschen aus Seenot gerettet oder aus Gefahr befreit (Stand Ende 2025).1

Einsätze im Zeitverlauf

Die Zahl der Einsätze schwankt von Jahr zu Jahr, ohne klaren Trend. Der Höchststand der letzten Jahre lag 2023.

Einsätze der DGzRS je Jahr

  1. 1.7202020
  2. kein Wert2021
  3. ca. 1.9002022
  4. 1.9382023
  5. 1.7752024
  6. 1.7232025
Einsätze der Seenotretter 2020 bis 2025. Für 2022 nennt die Quelle nur den gerundeten Wert, für 2021 haben wir keine belegte Gesamtzahl.4531

61.720 Einsätze im Corona-Jahr 2020

2020 zählten die Seenotretter 1.720 Einsätze und halfen fast 3.500 Menschen. Etwa 360 davon wurden aus Seenot oder anderen Gefahren befreit.4

71.938 Einsätze im Jahr 2023

2023 stieg die Zahl auf 1.938 Einsätze, mit 3.532 geholfenen Menschen. 103 wurden aus Seenot gerettet und 402 aus Gefahr befreit.3

8Die Zahl der Geretteten schwankt stark

Aus Seenot gerettet wurden 2023 insgesamt 103 Menschen, 2024 nur 79 und 2025 dann 135. Die Zahl der aus Gefahr Befreiten blieb 2023 und 2024 mit 402 und 403 fast gleich und sank 2025 auf 327.32

9Rund 400 Gerettete im Jahr 2022

Für 2022 melden die Seenotretter rund 1.900 Einsätze und knapp 3.300 geholfene Menschen, knapp 400 davon aus Seenot gerettet oder aus Gefahr befreit. 2021 waren es 370.5

Sportboote und Wassersportler

Für Prüflinge zum Funkzeugnis ist dieses Kapitel das wichtigste. Denn wer ein UKW-Funkgerät an Bord hat, fährt meist ein Sportboot.

10876 Einsätze für Wassersportler

2025 galten 876 der 1.723 Einsätze Wassersportlern. Das sind rund 51 Prozent (eigene Rechnung aus den beiden Zahlen). Davon betrafen 739 Segelfahrzeuge, das sind rund 43 Prozent aller Einsätze.2

Anteil der Wassersportler an allen Einsätzen 2025

  • Wassersportler 876
  • übrige Einsätze 847
Einsätze der DGzRS 2025 nach Zielgruppe. Die übrigen Einsätze sind die Differenz zu 1.723 (eigene Rechnung).2

Wobei die Seenotretter helfen

Die meisten Einsätze für Sportler sind keine dramatischen Seenotfälle, sondern Pannen. Trotzdem ist der Funkruf oft der erste Schritt: Wer seinen Standort und sein Problem per Funk sauber melden kann, bekommt schneller Hilfe.

Ursachen der Einsätze für Wassersportler 2025

  • Motorprobleme309
  • Grundberührung223
  • Abgetrieben69
  • Gekentert34
  • Ruderschaden30
  • Leine im Propeller26
  • Wassereinbruch21
  • Mastbruch20
Die acht häufigsten Ursachen bei Einsätzen für Wassersportler (alle Fahrzeugarten) im Jahr 2025. Ein Einsatz kann mehrere Ursachen haben.2

11Motorprobleme an der Spitze: 309 Einsätze

Bei Wassersportlern waren Motorprobleme 2025 die häufigste Ursache mit 309 Einsätzen. Bei Segelbooten allein waren es 299.2

12223 Mal auf Grund gelaufen

An zweiter Stelle stehen Grundberührungen mit 223 Einsätzen (Segelboote: 220).2

1311 Mal Person über Bord

Selten, aber lebensgefährlich: Elf Einsätze galten 2025 einer Person über Bord, davon sieben bei Segelbooten. Hinzu kamen 34 Kenterungen und sieben Brände an Bord.2

Rettungsleitstelle See und Funk

Alle Notrufe auf See laufen in Deutschland bei einer Stelle zusammen: dem Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) der DGzRS in Bremen. Es heißt auch Rettungsleitstelle See.

14365 Tage im Jahr rund um die Uhr besetzt

Die Rettungsleitstelle See koordiniert den Such- und Rettungsdienst im deutschen Seegebiet und ist an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr besetzt. Seit einer Vereinbarung mit dem Bundesverkehrsministerium von 1982 liegt diese Aufgabe bei der DGzRS.1

15Überwachung von UKW und Grenzwelle

Die DGzRS überwacht die UKW-Kanäle und die Grenzwelle für Not- und Sicherheitszwecke und führt den Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsfunkverkehr im deutschen Seenotrettungsbereich durch. Diese Aufgabe wurde ihr 1996 übertragen.1

163,7 Millionen Euro für ein neues Leitstellensystem

2025 flossen 3,7 Millionen Euro in ein neues Einsatz- und Kommunikationssystem für die Rettungsleitstelle See.1

17Rund 60 Einheiten an 55 Stationen

Die Leitstelle schickt Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote los. Die Flotte umfasst rund 60 Einheiten.1 2024 waren sie auf 55 Stationen verteilt.3

18961 Freiwillige auf See

Die Besatzungen bestehen überwiegend aus Freiwilligen: 2025 waren es 961 Freiwillige auf See und 186 fest angestellte Besatzungsmitglieder.1

Fehlalarme und Notsender

Funknotrufe, Seenotfunkbaken (EPIRB), persönliche Notsender (PLB) und AIS-Notsender können auch versehentlich auslösen. Wie oft das in Deutschland passiert, wird nicht öffentlich ausgewiesen.

1947 Einsatzkräfte wegen eines weggeworfenen Notsenders

Wie aufwendig ein einzelner Fehlalarm sein kann, zeigt ein Fall von der Ems im Mai 2024. Ein weggeworfener, aber noch funktionierender AIS-Notsender löste an der Marina Walchum einen Großeinsatz aus: 16 Fahrzeuge, 47 Einsatzkräfte, mehrere Taucher, zwei Drohnen und vier Boote. Die Retter gingen zunächst von einer Person im Wasser aus.6

20Meldepflicht bei versehentlicher Auslösung

Wer eine Seenotfunkbake versehentlich auslöst, muss laut internationaler IMO-Richtlinie sofort die zuständige Rettungsleitstelle informieren, mit Zeit, Position, Gerätetyp und Umständen. So lässt sich der Alarm beenden, bevor Retter ausrücken.7

Seeunfälle und Ertrunkene

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) untersucht Unfälle auf See. Privat genutzte Sportboote prüft sie nur in Ausnahmefällen, deshalb ist die Datenlage dünn.8

21625 Meldungen bei der BSU im Jahr 2024

Bei der BSU gingen 2024 insgesamt 625 Meldungen ein, nach 698 im Jahr 2023. Davon waren 131 Seeunfälle im Sinne des IMO-Codes (2023: 134).9

2269 Sportboote unter 443 Meldungen

Die letzte uns bekannte Aufschlüsselung nach Sportbooten stammt aus dem BSU-Bericht für 2019: Von 443 gemeldeten Unfällen betrafen 69 Sportboote (15,6 Prozent), 2018 waren es etwa 60 (12,8 Prozent). Vier Sportbootfahrer starben 2019, einer 2018.10

23Mindestens 393 Ertrunkene in Deutschland

Als Ergänzung: Die DLRG zählte 2025 mindestens 393 Ertrunkene in Deutschland, 2024 waren es mindestens 411. Die Zahl umfasst alle Gewässer und ist keine Seenotstatistik.11

Was es nicht gibt

Beim Thema Funk und Seenot sind die öffentlichen Zahlen lückenhaft. Wir haben diese Zahlen gesucht und nicht gefunden:

  • Zahl der Notrufe und Alarmierungen pro Jahr bei der Rettungsleitstelle See
  • Anteil von UKW-Funk, DSC-Alarm und Telefon an den Erstmeldungen
  • Fehlalarme durch EPIRB, PLB, AIS-SART und DSC in Deutschland
  • Sportbootunfälle, Tote und Ursachen der BSU für 2020 bis 2025
  • Eine belegte DGzRS-Gesamtzahl für 2021

Die DGzRS zählt Einsätze der Rettungseinheiten, nicht Anrufe. Wer diese Zahlen braucht, muss sie bei der DGzRS-Pressestelle erfragen.

Die Statistik zeigt: Ein großer Teil der Hilfe wird über Funk erst möglich. Wer das Funkzeugnis macht, lernt genau diese Meldungen. Fragen und Prüfungssimulation findest du im SRC-Trainer.

Häufige Fragen

Wie viele Einsätze fahren die Seenotretter pro Jahr?

2025 waren es 1.723 Einsätze, 2024 insgesamt 1.775 und 2023 dann 1.938. Dabei halfen sie 2025 insgesamt 3.389 Menschen.

Wie viele Menschen werden pro Jahr aus Seenot gerettet?

2025 wurden 135 Menschen aus Seenot gerettet und 327 aus Gefahr befreit, zusammen 462. 2024 waren es 79 und 403.

Wie viele Einsätze gelten Sportbooten?

2025 galten 876 von 1.723 Einsätzen Wassersportlern, rund 51 Prozent. 739 davon betrafen Segelfahrzeuge.

Wer nimmt Seenotrufe in Deutschland entgegen?

Die Rettungsleitstelle See (MRCC) der DGzRS in Bremen. Sie ist rund um die Uhr besetzt und überwacht die UKW-Notkanäle und die Grenzwelle.

Wie viele Fehlalarme gibt es durch Notsender?

Dazu gibt es für Deutschland keine veröffentlichte Zahl. Bekannt sind nur einzelne Fälle wie der AIS-Notsender an der Ems 2024.

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Quellen

Alle Zahlen stammen von den hier genannten Stellen. Einige Aufschlüsselungen der DGzRS geben wir über Berichte des Fachmagazins YACHT und der Nachrichtenagentur epd wieder. Zahlen ohne Beleg sind weggelassen.

  1. DGzRS: Jahresbericht 2025 (seenotretter.de)
  2. YACHT: DGzRS-Bilanz 2025, häufigste Pannen bei Seglern (yacht.de)
  3. YACHT: DGzRS-Jahresrückblick, Seenotretter helfen 2024 fast 3.000 Menschen (yacht.de)
  4. epd/evangelisch.de: Seenotretter helfen fast 3.500 Menschen auf Nord- und Ostsee (Bilanz 2020) (evangelisch.de)
  5. epd/evangelisch.de: Bilanz 2022, Seenotretter helfen 3.300 Menschen auf Nord- und Ostsee (evangelisch.de)
  6. YACHT: Falsche Entsorgung eines Seenotsenders löst Seenot-Großeinsatz auf der Ems aus (yacht.de)
  7. GMDSS Testers: Inadvertent activation of 406 MHz EPIRBs (nach IMO A.814(19)) (gmdsstesters.com)
  8. YACHT: Seeunfalluntersuchung, BSU veröffentlicht den Jahresbericht 2025 (yacht.de)
  9. SAFETY4SEA: BSU Annual Report 2024 (safety4sea.com)
  10. YACHT: Havarien, Zahl der Sportbootunfälle leicht gestiegen (BSU-Bericht 2019) (yacht.de)
  11. epd/Sonntagsblatt: DLRG, mindestens 393 Badetote im Jahr 2025 (sonntagsblatt.de)